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14.02.2013 - FREIES WORT - Lokalausgabe Hildburghausen Übersicht | Drucken

Quo vadis, Roter Ochse?

Neujahrsempfang im Schleusinger Künstlerhof. Aber der Himmel über dem Roten Ochsen ist bewölkt.

Von Karin Schlütter
  
Schleusingen - Im zwölften Jahr des Schleusinger Künstlerhofes Roter Ochse hatten am Dienstagabend Klaus D. Niemann und seine Frau Roswitha Vorstand, Kuratorium und die freiwilligen Helfer im Freundeskreis zum Neujahrsempfang eingeladen. So wie jedes Jahr wollten die Stifter des Künstlerhofes all jenen Dank sagen, die sich ehrenamtlich engagieren, um dem Roten Ochsen zu hüten. Am Faschingsdienstag ging das recht locker zu an den lustig bunt gedeckten Tischen bei gutem Wein und deftigem Fastnachtsessen, wie es in der Heimat von Familie Niemann im rheinland-pfälzischen Roxheim Brauch ist: Leberknödel mit Sauerkraut und Kartoffelpüree.

Der Hausherr verband seine guten Wünsche für das noch junge Jahr mit dem Dank für die Auszeichnung in Form des Thüringer Verdienstordens, den er im November aus den Händen von Landesmutter Christine Lieberknecht erhielt. Er betrachte diesen aber nicht als persönliche Ehrung, sondern widme ihn allen, die in den vielen Jahren des Roten Ochsen diesen lebendig hielten. "Und ich hoffe, dass wir uns hier nicht zum letzten Mal zusammenfinden."

Der Ochse lahmt etwas

Eine berechtigter Wunsch für die Stiftung Künstlerhof, denn der Ochse, jener stolze Knabe, lahmt gerade etwas. Tags zuvor habe es in der gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Kuratorium heftige Diskussionen um die Zukunft des Hauses gegeben. Daraus machte Klaus D. Niemann keinen Hehl. Die Frage "Qua vadis, Roter Ochse?" Sie kann noch nicht beantwortet werden.

"Wir befinden uns in schwieriger Situation", sagte Klaus D. Niemann. "Auch weil wir nicht mehr über die Finanzkraft verfügen, wie in früheren Jahren. Und nach wie vor steht das personelle Problem im Vorstand und im Freundeskreis." Es werde in den nächsten Tagen Gespräche geben und am 4. März eine neuerliche Sitzung stattfinden, kündigte er an. "Wir hoffen für alle Beteiligten zu einer verträglichen Lösung zu kommen."

Mehr als zwölf Jahre zogen dann in Bildern vorüber, angefangen von den ersten Arbeiten an einem der "schönsten Häuser Schleusingens", wie Marianne Didschuneit meint. Es war jedoch um 2000 in einem bedauernswerten Zustand. Viele Hürden und Unwägbarkeiten galt es zu überwinden, ehe der Gebäudekomplex in der Elisabethstraße am Froschmarkt in neuem Glanz erstrahlte und dessen Erbauer für die gelungen Sanierung den Denkmalpreis des Landkreises bedacht wurden.

3000 Gäste zu Eröffnung

"Am Eröffnungswochenende im Mai 2002 war das Interesse so groß, dass wir an den drei Tagen mehr als 3000 Menschen durch das Haus geführt haben", erinnerte Klaus Niemann. Der Rote Ochse fördert bis heute junge Künstler und in seiner vielfältigen Veranstaltungstätigkeit, ausschließlich ehrenamtlich betreut, hat er für so manches kulturelle Highlight in der kleinen Stadt gesorgt.

In jedem Sommer - von Mai bis Oktober - arbeitete und wohnte hier ein Stipendiat, darunter Künstler aus Österreich und Japan. Manche versprachen im Vorfeld mehr als sie dann hielten, die meisten sind jedoch bis heute in bester Erinnerung und haben in Schleusingen Spuren hinterlassen. Der junge Regisseur Marc Lippuner mit seinem Projekt "Schleusingen 20Nullneun" und dem Theaterstück "Sechs Schwestern - kein Tschechow" mit Schleusinger Laienschauspielerinnen zum Beispiel. Oder Peter Helmut Lang, der Komponist, der für eine Gruppe des Schleusinger Frauenchores Morgensterns Galgenlieder vertonte. Hideko Kawachi aus Tokio, die noch nie einen Wald gesehen hatte und Kunst aus Bäumen an die Haardt brachte. Das Werk sei allerdings zur Überraschung aller wieder im Freiluftbereich des Künstlerhofs gelandet. "Der Bürgermeister befürchtete Vandalismus am Kunstwerk", erklärte es Klaus D. Niemann.

Viele Stipendiaten

Ja, manch einer hatte schon ein Problem mit den Stipendiaten beziehungsweise dem, was sie hier geschaffen haben. Andere waren fasziniert zum Beispiel von Verena Hahns wunderbaren Installationen. Die Weimarer Künstlerin erhielt im vergangenen Jahr das Stipendium im Künstlerhof.

Ob in diesem Mai wieder ein junger Mensch hier gefördert werden kann, war fest vorgesehen. "Wir haben allerdings fünf Bewerber, darunter aus China, Kanada, Italien, die wenig für das Stipendiat in Schleusingen geeignet sind, sei es mit dem, was sie tun als auch wegen sprachlicher Barrieren," sagte Kuratoriumsvorsitzender Niemann, der mit dem Vorstand hofft, dass sich noch geeignetere Bewerber finden, wenngleich die Zeit drängt.

Doch es gab in den zwölf Jahren auch vielbeachtete Ausstellungen, wie die Prometheus- oder die Barlach-Ausstellung, wunderbare Konzerte, Lesungen, Filmpremiere wie die "Kopfwende" von Michael Jahn.

Kunsthandwerkermärkte zu Ostern und in der Vorweihnachtszeit zogen hunderte Leute an. Ebenso wie die 1. Kultur- und Museumsnacht im November 2006 in Schleusingen zum Thema Glas. Das Thüringer Behälterglaswerk öffnete in dieser Nacht die Produktion für Besucher, die im Shuttle-Bus von der Peripherie zur Innenstadt pendelten, um in der Bertholdsburg und im Roten Ochsen Glaskunst und Unterhaltung zu genießen.

Blütezeit 2007

Besonders 2007, dem fünften Jahr des Roten Ochsen, war die Blütezeit in der Veranstaltungstätigkeit. Sieben Jahre später war es ruhig geworden im Haus. Schon da gab es wenig Events.

Stirbt der Rote Ochse, stirbt ein kulturelles Juwel, um das viele Kultur- und Kunstinteressierte Schleusingen beneiden. Und so hoffen die, die da sind und den Künstlerhof hegen und pflegen auf tatkräftige Mitstreiter, die dem angeschlagenen Ochsen wieder auf die Sprünge helfen - finanziell und personell.

aktualisiert von Thomas G. Marzian, 14.02.2013, 12:18 Uhr
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