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12.12.2011 - FREIES WORT - Lokalausgabe Hildburghausen Übersicht | Drucken

Formen, Farben und Töne

Eine gute Adresse für geschichts- und kulturell Interessierte war am Samstagabend die 6. Schleusinger Kultur- und Museumsnacht.

Von Wolfgang Swietek


Schleusingen - Die Wahl fiel nicht leicht, sich aus den zahlreichen Angeboten das Passende auszusuchen, denn gleich zwei hochkarätige Institutionen hatten eingeladen und ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Zwar hatten sich das Naturhistorische Museum und der Künstlerhof "Roter Ochse" abgestimmt und besonders gravierende Programmpunkte zeitversetzt geplant: Doch jede der beiden Einrichtungen hatte so viel Interessantes zu bieten, dass es vielen Besuchern schwer viel, sich von dem einen Ort loszureißen, um in der anderen Einrichtung etwas mitzuerleben.

Nun kann man trefflich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, die Kultur- und die Museumsnacht zeitgleich durchzuführen. Ausführlich Zeit nämlich blieb nicht, die Schätze der Einrichtungen kennen zu lernen. Doch das Interesse zu wecken, um das eine oder andere nochmal in Ruhe zu betrachten, das wurde auf jeden Fall erreicht.

Gespenstisches im Museum

Noch einmal gönnte sich der Direktor des Naturhistorischen Museums Dr. Ralf Werneburg das Vergnügen, die riesige Steintafel mit dem "Fossil des Jahres 2011" zu enthüllen. Zwar geschah dies offiziell schon Anfang des Jahres. Doch er bekennt: "Einige Male haben wir das wiederholt. Zu groß ist unsere Freude über die hohe Wertschätzung durch diese Auszeichnung." 1994 war die Platte aus der Rotliegendzeit (vor 290 Millionen Jahren) - nicht im Ganzen sondern in 30 Einzelteilen - in Niederkirchen bei Kaiserslautern gefunden worden. Schon die Bereitschaft der dortigen Archäologen, das Stück dem Naturhistorischen Museum Schleusingen zur Verfügung zu stellen, bedeutete eine hohe Anerkennung der hier geleisteten wissenschaftlichen Arbeit.

Fossil des Jahres 2011

Mehr noch dann die Wahl der Paläontologischen Gesellschaft München, die Platte als "Fossil des Jahres 2011" auszuzeichnen. Eineinhalb Jahre hat Georg Sommer, der geologische Präparator des Museums, daran gearbeitet, bis aus den 30 Einzelteilen wieder ein einheitliches Ganzes geworden war. Eine technische und logistische Leistung zudem, das eine reichliche Tonne schwere Stück aus seiner Werkstatt ins Museum zu hieven. Wie solche Steinplatten bearbeitet werden, dabei konnten die Besucher dem Präparator ebenso über die Schulter schauen, wie sie viel Wissenswertes von Ralf Werneburg in einem Kurzvortrag erfuhren. Gab es Haie im Thüringer Wald? Die spannende Frage konnte der Museumsleiter mit einem eindeutigen "Ja" beantworten. Sogar an mehreren Stellen - im Vessertal, bei Friedrichroda und in Manebach.

Was war im Alten Krug?

Was geschah vor 100 Jahren im Alten Krug in Schleusingen? Diese Frage beantwortete Rosika Hoffmann während eines Museumsrundgangs. 1908 hatte sich in Schleusingen ein Geschichtsverein gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hatte, wichtige Dinge aus der Regionalgeschichte zu sammeln und sie in einem Heimatmuseum auszustellen. Der Alte Krug wurde 1911 das erste kleine Heimatmuseum der Stadt, dessen Bestände den Grundstock für das 1953 gegründete Naturhistorische Museum bildete. Vieles davon konnten die Besucher dann beim Rundgang in Augenschein nehmen. Später, zu fast mitternächtlicher Stunde, konnte noch die seit Mai wieder geöffnete, neu gestaltete Sammlung von 1300 Mineralien bestaunt werden. Und auch Neuerwerbungen des Museums - so eine durch den Förderverein finanzierte Münze vom Grafen Georg Ernst und erst vor Kurzem ausgegrabene Fossilien - gab es zu bestaunen. Beste Werbung für ein Museum, das anschaulich zeigte, wie spannend Geschichte sein kann.

Malerei und Musik

Nur wenige Jahre oder gar nur Monate alt ist das, was es der Künstlerhof "Roter Ochse" bot. Angefangen von den Malereien und Grafiken von den Mitgliedern des Malzirkels der Volkshochschule Hildburghausen-Schleusingen bis zu den Arbeiten von Siegried Kärcher, dem Stipendiaten des Jahres 2011. Übrigens schon der zehnte, der in seiner Arbeit vom Künstlerhof "Roter Ochse" mit einem Stipendium unterstützt worden ist. "Erfahrungen in Schleusingen" nennt Kärcher seine Ausstellung, die während der Kulturnacht am Samstagabend seine beeindruckende Vernissage erlebte. Seine "Erfahrungen in Schleusingen" scheinen sehr gut gewesen zu sein, was er in die knappen Worte fasste: "Schleusingen hat mir Gutes, hat mir gut getan!" Als eine "Malerei mit Symbolen und Zeichen, die wir entschlüsseln müssen", bezeichnete Marianne Didschuneit in ihrer Laudatio die farbigen Bilder von Siegfried Kärcher. Moderne Kunst werde oft angefeindet, sei für viele ein Reizwort, so die Laudatorin. "Die alten Meister konnten wenigstens noch richtig malen", heißt es oft. Oder: "Kunst soll doch für alle da sein, jeder sollte sie begreifen können." Doch Didschuneit forderte die Besucher der Vernissage auf: "Versuchen Sie sich selbst, diese Bilder zu erschließen." Jeder werde angehalten, mit den Bildern in einen Dialog zu treten. "Mich beeindruckt die Sicherheit, mit der Kärcher mit den Farben umgeht", sagt Didschuneit. Und versuchte dann doch eine - ihre - Interpretation solcher Bilder wie "Schleusinger Grün", "Mondpause" oder "Nahe-Distanz-Nahe-Kontakt". Auch auf die Gefahr hin, dass der Maler sagt: "So habe ich das gar nicht gesehen." Während die beiden Gymnasiasten aus Hildburghausen Konrad Fischer (Klavier) und Matthias Kirchmeier (Cello) musizierten, konnten sich die Besucher ihr eigenes Bild von der Malerei Kärchers machen, im unverwechselbaren Ambiente des Künstlerhofes. Auch wenn dies kein Thema während der Kultur- und Museumsnacht war - es wäre wirklich ein Verlust, wenn sich für das weitere Bestehen des Künstlerhofes "Roter Ochse" keine Lösung finden sollte.

Viele Mitwirkende

Vieles hat zum Erfolg des Abends beigetragen - die musikalische Ausgestaltung zum Beispiel durch Kurt Enke (Klarinette und Saxophon), Christian Thadewald (Klavier und Orgel), die "Wallrabser Bruderschaft" oder das Duo "Jazznah". Auch für kleine kulinarische Leckerbissen war in beiden Einrichtungen gesorgt. Als die mitternächtliche Stunde immer näher kam, wurde es dann noch gespenstisch. "Ich arbeite schon etliche Jahre hier im Museum, aber Gespenster gibt es hier nicht", hatte Rosika Hoffmann zwar versichert. Doch ein Steppke erwiderte ihr aufgeregt: "Ich bin doch nicht blöd, ich hab" das Gespenst ja schon gesehen!" Udn es tauchte dann tatsächlich auf...


aktualisiert von Thomas G. Marzian, 21.11.2011, 12:52 Uhr
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