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12.12.2011 - FREIES WORT - Lokalausgabe Hildburghausen Übersicht | Drucken

Spinnräder und Kasperköpfe

Spinnen wie in alten Zeiten, das übt vor allem in der Vorweihnachtszeit eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Ebenso wie die anderen Gewerke, die am Sonntag beim Kunsthandwerkermarkt im Roten Ochsen vertreten waren.

Von Doreen Fischer


Schleusingen - "Wir können auch ohne Faden spinnen", das ist der Standardspruch, den die Mitglieder der Spinnstube Breitenbach am Sonntag im Künstlerhof Roter Ochse ständig zu hören bekamen. Doch Walter Amarell nimmt es mit Humor, dass er als männlicher Spinner bezeichnet wird. "Das macht mir nichts aus. Es stimmt ja sogar", nickt er vor sich hin und nimmt sein Spinnrad in Betrieb. Von seinen eigenen Schafen stammt die Wolle, der er und die beiden Frauen zu Fäden verarbeiten. Und dass das Ganze nicht nur einfach zum Spaß betrieben wird, beweist die Weste, der er voller Stolz trägt. "Kratzen? Nein, das tut sie überhaupt nicht", versichert er glaubhaft. "Ich trage schließlich ein Hemd drunter."

Es muss nicht verwundern, dass sich auch an den anderen Ständen im Künstlerhof viele Neugierige drängten. Die einen in der Hoffnung, ein etwas anderes Weihnachtsgeschenk zu ergattern. Die anderen, um sich selbst eine Freude zu bereiten. Und schließlich diejenigen, die einfach nur mal schauen und staunen wollten.

Rote Weihnachtsglöckchen, Sterne für den Weihnachtsstrauß im Freien und zerbrechlich wirkende Rosen - all das und zwar durchweg aus Ton, gab es am Stand von Christina Wötzel aus Hinternah. Im kommenden Jahr, so ließ sie wissen, wird sie ihre eigene Werkstatt eröffnen. Bis dahin töpfert sie gemeinsam mit Danuta Ohlig in ihrer Freizeit. Ab 2012, so verspricht sie, sei sie dann noch öfter auf Märkten wie diesen zu finden.

Vergeblich hatte Silvia Volkhardt aus Schmalkalden darauf gehofft, dass mehr Kinder in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern kommen würden. Bei ihr hätten die Kleinen Holzteile anmalen und basteln können. Als Ausgleich war sie besonders gefragt, wenn es darum ging, ganz individuelle Holzbrennereien zu fertigen. Immerhin gibt es im ganz normalen Geschäft wohl kaum ein Frühstücksbrettchen mit persönlichem Namenszug.

Restbestände der ehemaligen Holzweberei Hildburghausen hatte Gert Langbein im Gepäck. 1990 war der Betrieb geschlossen worden, weil nach der Wende mit einem Mal kein Bedarf mehr an den Naturmaterialien bestand. "Wir haben damals die ganzen Lieferungen zurückgekriegt. Eine Katastrophe", erzählt er. Inzwischen ist das Interesse für seine Angebote jedoch neu erwacht. Dennoch wird er nur noch selten auf Kunsthandwerkermärkten zu sehen sein. "Wenn das hier alles verkauft ist, dann ist endgültig Schluss", versichert er und zeigt auf Tischdecken, Kissen und Meterware.

Eine Lösung für kalte Füße

Jedes Jahr aufs Neue kommen Uta und Rolf Meisch aus Grub nach Schleusingen, um Honig, Propolis und echte Wachskerzen anzubieten. "Die Leute wissen, dass wir immer hier sind. Sie kommen ganz gezielt und holen sich ihren Honig bei uns", versichert das Imker-Paar. In diesem Jahr ist vor allem Propolis der Renner. Erklären können sie sich das nur damit, dass erst vor wenigen Tagen eine Fernsehsendung über das heilungsfördernde Mittel ausgestrahlt wurde.

Eine Lösung für kalte Füße gab es am Stand von Annelore Römhild. Die Floristmeisterin aus Hildburghausen strickt in ihrer Freizeit kuschelweiche Strümpfe, Babybekleidung und neuerdings auch Eierwärmer. Letztere hatte sie passend zur Jahreszeit als Weihnachtsfrauen gefertigt. Bei ihr gab es auch Naturfloristik zu bestaunen und zu kaufen. Genau so etwas war bei den Besuchern äußerst gefragt.

Neugierige Blicke erntete Wolfgang Hopf aus Crock. Ihm konnte über die Schulter schauen, wer schon immer mal wissen wollte, wie ein Kasperkopf entsteht. Etwa zwei Stunden braucht der Crocker, bis aus einem Stück Holz ein fertiges Teil entsteht. "Seit 1954 schnitze ich. Seitdem habe ich mich mehr als einmal geschnitten", gibt er schmunzelnd zu. Momentan sind bei ihm vor allem Engel und Kerzenständer gefragt.

Für einen guten Zweck hatten Ines Blumenrodt und Susan Fabig Aurelio-Sterne gebastelt. In verschiedenen Größen und Farben boten sie diese faszinierenden Papiersterne an. "Wir haben hier ein reines Spendenprojekt. Der Erlös aus dem Verkauf heute geht an krebskranke und schwerkranke Kinder in Jena", versicherten die beiden Frauen. Immerhin gehört das Falten eines solchen Sterns zu den Königsdisziplinen des Bastelns und dauert in der Regel mindestens eine Stunde. Dass sich der Kunsthandwerkermarkt neben dem Weihnachtsmarkt in Schleusingen fest etabliert hat, ist nicht verwunderlich. Immerhin kommt hier jeder auf seine Kosten. Und wer nach dem langen Zuschauen, Stöbern und Einkaufen erschöpft nach einer Stärkung suchte, der konnte es sich im Künstlerhof bei einem Kaffee und einem Schwätzchen gemütlich machen.


aktualisiert von Thomas G. Marzian, 29.11.2011, 12:36 Uhr
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