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15.11.2011 - FREIES WORT - Lokalausgabe Hildburghausen Übersicht | Drucken

Quo vadis, Künstlerhof Roter Ochse?

Mit der Kultur- und Museumsnacht und dem Kunsthandwerkermarkt am ersten Adventswochenende geht das Jahr im Künstlerhof Roter Ochse zu Ende. Und wie es weitergeht, steht noch in den Sternen.

von Karin Schlütter


Klaus D. Niemann, der das alte Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in der Stadt seiner Vorfahren sanierte und 2002 die Stiftung "Künstlerhof Roter Ochse" gründete, treibt es die Sorgenfalten auf die Stirn. Wie weiter mit dem Künstlerhof? "Denk ich an den Roten Ochsen in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht", wandelt er mit Galgenhumor Heine ab. Bisher war es vor allem Klaus Niemann selbst, der mit engagierter Ehefrau Roswitha an der Seite, dem Künstlerhof den Stempel aufgedrückt hat, mit Künstlern verhandelte, und das Veranstaltungsprogramm organisierte, sich um Plakatdruck und Pressearbeit kümmerte.

In der Vergangenheit hat der ehrenamtliche Vorstand der Künstlerhof-Stiftung, unterstützt vom Freundeskreis kulturinteressierter Schleusinger die Arbeit tatkräftig mitgetragen.

Nach dem Rücktritt des letzten Vorstandes wurde zwar ein neuer Vorstand gewählt. Der aber ist nicht voll arbeitsfähig. "Es fehlen mindestens zwei Personen, die sich mit an die Spitze stellen", sagt Klaus Niemann im Gespräch mit Freies Wort.

Niemann wird es zu viel

Momentan steht Niemanns Tochter Sabine an der Spitze des Vorstandes. "Sie hat aber Familie mit kleinem Sohn und ist genauso weit von Schleusingen weg wie wir," beschreibt Klaus Niemann die Situation. Und die Entfernung ist es, die es Familie Niemann zunehmend schwieriger macht, die Arbeit in Schleusingen federführend zu organisieren. Die Fahrerei von Roxheim nach Schleusingen wird für den 73-Jährigen immer mehr zum Problem. Gut drei Stunden hin, drei Stunden zurück, das schlaucht, besonders an Nebeltagen. "Auch bin ich im Schnitt täglich fast drei Stunden mit dem Roten Ochsen beschäftigt", hat er überschlagen und gesteht: "Im zunehmenden Alter wird das schwerer und mitunter unterlaufen dann auch Fehler."

Im Vorstand arbeiten Cornelia Graf aus Schleusingen, die sich vor allem um die Stipendiaten kümmert, und mit Hans-Joachim Heß und Barbara Müller auch zwei aktive kulturbeflissene Gethleser mit. Doch besonders Achim Heß ist beruflich so eingespannt und so viel unterwegs, dass auch er nur bedingt für den Künstlerhof tätig sein kann. Wenn es den Freundeskreis mit dem Ehepaar Kusche, Frau König und Frau Gruber nicht gäbe, wären die Veranstaltungen kaum abzusichern, erklärt er.

"Es fehlt ein Vorstandsvorsitzender, der die Sache in die Hand nimmt", bedauert Klaus D. Niemann. "Gut wäre ein rüstiger Ruheständler mit Management-Erfahrung und Interesse für Kunst und Kultur, der auch Kontakte zu anderen Einrichtungen der Region wie dem Meininger Theater pflegt. Die gab es ja alle schon mal . . ."

"Wir hatten zwei potenzielle Interessenten für die Mitarbeit im Vorstand, einer ist allerdings wieder abgesprungen als er hörte, dass der Rote Ochse als Stiftung auch Regeln unterliegt, die über die Vereinsarbeit hinausgehen." Satzung und Stiftungsprogramm seien in der Vergangenheit auch immer wieder Streitpunkt im Vorstand gewesen.

Interesse hat nachgelassen

Generell stellt Klaus Niemann fest, dass das Interesse am Roten Ochsen nachgelassen hat, auch das Publikumsinteresse zurück gehe. Selbst Kuratoriumsmitglieder lassen sich nur selten zu Veranstaltungen blicken. Auch die mangelnde Zusammenarbeit mit den kulturtragenden Vereinen wie dem Freundeskreis des Museums und der Kirchgemeinde beklagt er. Andererseits sei es nicht verwunderlich, gäbe es doch in Schleusingen keine Institution, die kulturelle Aktivitäten koordiniert, wie er das aus seiner rheinland-pfälzischen Heimat kenne.

Enttäuscht

Der Gründer und Stifter des Künstlerhofs macht keinen Hehl aus seinem Frust. In Schleusingen, der Stadt mit der der Roxheimer seit frühester Kindheit durch verwandtschaftliche Bande verknüpft ist, funktioniert das kulturelle Leben nicht so, wie er sich das vorstellt.

Dabei sei es kein Problem, junge Künstler zu fördern, wie es Ziel und Zweck des Künstlerhofs ist. Die Arbeit mit den Stipendiaten läuft. "Auch ein Programm zu machen, ist nicht schwer. Wir haben Anfragen jede Menge." Aber zum einen müssen die Events alle ehrenamtlich abgesichert werden, zum anderen sollten die sich möglichst selbst tragen. Beides wird zunehmend schwieriger.

Klaus Niemann bringt es auf den Punkt: "Das Jahr 2012 im Ochsen - das zehnte seit Bestehen - ist noch nicht gesichert!"

Gelingt es nicht, einen voll arbeitsfähigen Vorstand aufzubauen, sieht Niemann nur die Möglichkeit, öffentliche Programme zurückzufahren, die Arbeit ganz einzustellen oder das Haus anderen Institutionen zur Verfügung zu stellen, die Ziele und Zweck des Roten Ochsen erfüllen können. Wenn die Stiftung nicht aktiv ist, sagt er, werde sie zwangsläufig gelöscht.

Ochsen-Jahr 2012 offen

Bleibt zu hoffen, dass sich eine Lösung findet, die den Weiterbetrieb des Künstlerhof ermöglicht, damit der Stadt und der Region nicht eine Einrichtung verloren geht, die viele Menschen zu schätzen gelernt haben, aber eben nicht alle und nicht genug. Die Kultur- und Museumsnacht am kommenden Wochenende und der traditionelle Kunsthandwerkermarkt anlässlich des Schleusinger Weihnachtsmarktes könnten sonst die letzten Veranstaltungen hier werden. 

aktualisiert von Thomas G. Marzian, 30.10.2012, 16:31 Uhr
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